Rebenleben Grauburgunder Wein

Rebenleben

Die "Geierschelle" vom Nieder-Olmer Klosterberg

Das Jahr aus der Sicht einer Weinrebe
 

Hallo, darf ich mich vorstellen: Mein Name ist "Geierschelle". Ich bin ein Grauburgunder-Weinstock und somit eine von rund 50.000 Weinreben des Nieder-Olmer Weingutes "Bischofsmühle". Ein Jahr lang werde ich mich im Abstand von zwei Wochen melden und berichten was ich so erlebe. Dazu informiere ich Euch darüber was mein Chef, der Winzermeister Max Zimmermann und seine Frau Anna im Weingut arbeiten. Zuhause bin ich in einem Weinberg auf dem Nieder-Olmer Klosterberg unterhalb der Gutsschänke Horn, genau genommen in der Einzellage "Ober der Geierschell", mit einem herrlichen Blick über das Städtchen Nieder-Olm. Dort wurde ich im April 2014 von meinem Winzer gepflanzt und werde seitdem von ihm und seinen Mitarbeitern bestens betreut. 

10. Mai 2021

Rebenblog Nieder-Olm Bischofsmühle

Es hat wieder ganz schön gepfiffen letzte Woche bei uns am Klosterberg. Am Mittwoch noch Graupelschauer und Sturm, gestern dann sommerliche Temperaturen von fast 30 Grad. Ganz schön verrückte Zeiten. Aber mir macht das alles recht wenig aus. Meine Fruchttriebe wachsen trotzdem jeden Tag ein kleines Stück. "Läuft" also!

 

Mein Winzer kümmert sich jetzt -quasi indirekt- um mich. Der weiß ja, dass bald die warmen und sonnigen Monate kommen und es voraussichtlich in Rheinhessen wieder an Niederschlägen mangeln wird. "Klimawandel" sagt Ihr Menschen dazu. Deshalb achtet er jetzt schon darauf, dass der Boden zwischen den Rebenreihen nicht so schnell austrocknet. Ihr habt Euch sicherlich schon mal gefragt, warum jede zweite Zeile abwechselnd mal grün ist, also mit Rasen oder Klee bepflanzt und die andere Zeile umgebrochen, also erdbraun ist. 

 

Hat einen ganz einfachen Grund: Ist die Reihe begrünt, verdunstet jede Menge Wasser über die Pflanzen, deren oberflächige Wurzeln das Wasser aus dem Boden ziehen. Meine Rebenwurzeln gehen ja viel tiefer als die Wurzeln des Grünzeugs und so bekomme ich deutlich weniger Regenwasser ab. Die Begrünung gräbt mir sozusagen das Wasser ab. Das geht ja gar nicht! Wie soll ich da im Sommer meine Trauben ernähren. Mein Winzer spricht da von "Wasserkonkurrrenz".

 

Trotzdem braucht der Max diese "Fahrgassen", denn er muss ja bis zur Ernte noch zigmal mit seinem Traktor durch den Wingert fahren, auch dann, wenn´s gerade geregnet hat. In einer Reihe ohne Begrünung geht das schlecht, weil es dort gerne mal matschig wird. Die zweite Reihe -die unbegrünte-, hat auch ihren Sinn. Mit Grubber oder Egge bricht mein Winzer im Frühjahr den Boden auf und lockert ihn. Damit wird das Bodenleben angeregt. Verdichtungs- und Verschlämmungsschichten werden durchbrochen. Es entstehen kleine Hohlräume, die das Wasser aufnehmen und vor Verdunstung schützen. Ist der Boden "offen", kann der Max auch organischen Dünger einbringen. Vor einigen Wochen erst hat er Kompost aus der Essenheimer Anlage bei uns im Weinberg ausgestreut. Womöglich kommt der Kompost aus Euren Gartenabfällen, die ihr am Wochenende zum Wertstoffhof bringt. Dankeschön dafür! Das nenne ich doch mal "Kreislaufwirtschaft".  Der eingebrachte Humus wird im Boden abgebaut und mineralisiert. Dadurch entsteht natürlicher Stickstoff und den brauche ich ganz dringend für mein weiteres Wachstum. 

 

Aber zu viel des Guten soll`s ja auch nicht sein. Deshalb entnimmt der Max regelmäßig Bodenproben und lässt die im Labor analysieren. Dann weis er genau, wieviel Humus er ausbringen muss, damit ich optimal versorgt werde. Er kümmert sich schon rührend um mich das ganze Jahr über. Das danke ich ihm im Herbst mit gesunden und süßen Trauben aus denen er seine Weine keltern kann.

 

Übrigens, diese Woche sind die "Eisheiligen" am Start. Geht am Mittwoch mit dem "Pankratius" los, am nächsten Tag folgt der "Servatius", dann der der "Bonifatius" und am Samstag, den 15. Mai kommt zum guten Schluss die "kalte Sophie". Die Namen sind nach Bischöfen und Märtyrern benannt. Oftmals gibt es Nachtfröste in dieser viertägigen Periode, besonders dann, wenn diese Tage auf einen Vollmond fallen. Auch wenn die Wetter-App auf Eurem Smartphone heute schon verrät, dass die Nachttemperaturen voraussichtlich so zwischen 7 und 9 Grad Celsius liegen werden, sind Landwirte und Winzer immer heilfroh, wenn diese Tage -ohne Kälteeinbruch- vorüber gehen. 

 

Eure "Geierschelle" vom Nieder-Olmer Klosterberg

26. April 2021

Rebaustrieb Rebenleben Grauer Burgunder

Hurra, ich bin in der Wolle! 
 
Ups, sorry, ich glaube das muss ich Euch jetzt etwas näher erklären. Konkret heisst das, dass es jetzt bei mir losgeht. Mein Winterschlaf ist zu Ende. Die Vegetation beginnt. Und das könnt Ihr auch schon an meinem Rebstock sehen. An den Augen meiner Rebe tut sich was. Da seht Ihr nun kleine "Knubbel", die aussehen wie Watte-Woll-Bällchen. 
 
Dort werden in wenigen Tagen die Knospen aufplatzen und das erste, zarte Grün wird austreiben. Kommt natürlich auf die Witterung an. Je wärmer die Temperaturen, desto schneller geht das. Zunächst wachsen die ersten Triebspitzen raus und dann schon bald die "Gescheine". Das sind die Vorstufen der eigentlichen Trauben. Jetzt heisst es Daumen drücken, damit uns Nachtfröste erspart bleiben. Bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt wird´s kritisch, dann kann ich meine Triebspitzen nicht mehr schützen. Die erfrieren dann und sterben ab. Dann bliebe nur noch die Möglichkeit, dass ich meine "Bei-Augen" aktiviere. Die sind zwar nicht so fruchtbar wie meine regulären Augen, sind aber quasi eine Ersatzlösung, sollte der Frost doch noch zuschlagen. 
 
Ich pumpe jetzt schon seit einigen Tagen das Wasser tief aus dem Boden durch meine Wurzeln hoch. Jetzt zahlt sich der Regen aus dem Februar aus. Während ich seit dem Rebschnitt im Januar ein ziemlich nacktes und trostloses Bild abgegeben habe, werde ich jetzt von Tag zu Tag grüner. Ach ist das schön ! Da kitzelt dann jeder Sonnenstrahl auf meinen Blättern. 
 
Aber Achtung: Da freuen sich auch so manche böswilligen Gesellen darüber. Die knabbern das frische Grün schneller weg, als es austreiben kann. "Kräuselmilbe" heisst das gefräßige Tierchen, welches sich an meinen Blättern und Gescheinen laben will. Es überwintert in meinem Holz und lauert nur darauf loszulegen. Jetzt gilt es: Frisst diese Milbe, nach Öffnung der Knospen die ersten fünf Blättchen des Triebes, dann kann die Fotosynthese erst gar nicht in Gang kommen und der Trieb verkümmert. Deshalb hat mein Winzer bereits gestern den entsprechenden Pflanzenschutz betrieben. Mit Schwefel und einem ölhaltigen Präparat hat seine Anbauspritze die Wolle der Augen benetzt und verklebt. Die Kräuselmilbe mag das so gar nicht. Sie kommt nicht in die Gänge und erstickt. Die Überlebenden werden dann später von der "Raubmilbe" gefressen, deren Population sich erst in den nächsten Wochen aufbaut. Das Insekt Raubmilbe ist ein Nützling und ein beliebter Helfer des Winzers. 
 
In Jahren mit hohem Schädlingsdruck werden die in den Blättern aktiven Raubmilben auch schon mal eingesammelt und in stark befallene Anlagen ausgesetzt, wo sie dann ihren Job machen. 
 
Bei der Auswahl der notwendigen Pflanzenschutzmittel achtet der Max ganz besonders darauf, dass diese "raubmilbenschonend" sind. Denn diese Insekten mit dem "kriminellen" Namen sorgen während der Vegetationsperiode für das notwendige Gleichgewicht im Weinberg. "Fressen und gefressen werden", fast wie im richtigen Leben also. 
 
Eure "Geierschelle" vom Nieder-Olmer Klosterberg 

12. April 2021

Rosé Weißherbst Blanc de Noir Rotling

 

Moin zusammen. So langsam kribbelt`s bei mir in den Wurzeln. Trotz der noch kalten Nächte und der ungemütlichen Witterung spüre ich das nahende Frühjahr. Rein äußerlich wäre das derzeit jedoch nur dann sichtbar, wenn mein Winzer ein kleines Stückchen von meiner Biegerebe abschneiden würde. Dann würde ich "bluten". Die von mir in den letzten Tagen hochgepumpte Flüssigkeit würde sofort, tröpfchenweise, an der Schnittfläche austreten. 

Ich schone mich einfach noch ein wenig und erzähle Euch von dem jungen Paar, welches gestern bei uns oben am Weinberg flanierte. "Ich freu mich so sehr auf einen schönen Rosé-Wein an einem warmen Abend auf unserer Terrasse", säuselte die Dame ihrem Liebsten ins Ohr. Das hat mich auf die Idee gebracht, Euch mal etwas über die dritte Weinkategorie (neben Rot- und Weißwein) zu erzählen. 

Grundsätzlich handelt es sich roséfarbenen Weinen um "Rotwein-Rebsorten, die weiß gekeltert werden". 

Weißweine werden ja nach der Lese und vor der alkoholischen Gärung gekeltert und damit von Beerenhäuten, Kernen und Stilgerippe getrennt. Es vergärt also nur der Saft (Most). 
Beim Rotwein werden die Beeren an gequetscht und vergären gemeinsam zu Wein. Das dauert, je nach Temperatur, so zehn Tage. Danach wird die Maische abgepresst. Von der Kelter läuft dann Wein, statt Most. 

Heute sprechen wir von roten Rebsorten wie Portugieser, Spätburgunder, Dornfelder & Co., die wie Weißweine behandelt und gekeltert werden. 

Da gibt es den Klassiker, den "Weißherbst", meist im Zusammenhang mit der Rebsorte Portugieser oder Spätburgunder. In jedem Fall darf bei Nutzung des Begriffes "Weißherbst" immer nur eine einzige Rebsorte eingesetzt werden. Der Winzer erntet seine Trauben und behandelt die wie Weißweintrauben. Er keltert die bereits wenige Stunden nach der Ernte, damit nicht zu viel Farbe von der Beerenhaut in den Most übergeht. Der ausgepresste Most vergärt anschließend im Tank zu Wein. Hierfür eignen sich besonders die Rebsorten Spätburgunder und Portugieser. Deren Farbe ist relativ hell. 

Beim "Rosé" hat der Winzer mehr Möglichkeiten Einfluss auf Farbe und Geschmack zu nehmen. Hier darf er mit mehreren, unterschiedlichen Rebsorten arbeiten. Eine "Cuvée", ein Verschnitt verschiedener Rebsorten, macht absolut Sinn. Auch hier werden die Trauben nach einer kurzen "Maischestandzeit" gekeltert, bevor die alkoholische Gärung einsetzt. Dornfelder und Spätburgunder, beide mit unterschiedlichen Geschmacksspektren und Traubenfarben eignen sich ganz besonders. Da kommt bei der Weinfarbe auch schon mal ein knalliges "pink" raus. 

Recht neu bei uns in Deutschland hat der "Blanc de Noir" seinen Siegeszug angetreten. "Weißer vom Schwarzen", heißt das wörtlich übersetzt. Also ein Weißwein aus Rotweintrauben. Der muss auch tatsächlich aussehen wie ein Weißwein und muss deutlich heller sein als "Weißherbst" oder "Rosé". Das schafft der Winzer, indem er seine Rotweintrauben sehr früh erntet und direkt nach der Ernte abpresst. Ohne "Maischestandzeit". Denn je länger mit dem Keltern gewartet wird, desto mehr Farbe geben die Beerenhäute an den Most ab. 

Eine Ausnahme ist der "Rotling". Hier handelt es sich um einen Verschnitt von Rotwein- und Weißweintrauben, die vor der Vergärung zusammengeführt werden müssen. Die Farbanforderung für das Endprodukt lautet "blass- bis hellrot". Auch hier kann man mit den Anteilen Rot- und Weißweinen "spielen" und auch schon mal eine ganz dunkle Traube, wie zum Beispiel den Regent verwenden. 

Ehrlich gesagt fühle ich -als Grauburgunder-Rebe- mich ein wenig seelenverwandt mit dem Blanc de Noir. Meine Beerenhaut ist ja auch deutlich dunkler als bei anderen Weißweinen und deshalb ähnelt meine Weinfarbe dieser Kategorie. 

In jeden Fall kommt jetzt bald die warme Jahreszeit, in der diese Weine ganz besonders gut schmecken, nicht nur dem jungen Paar von gestern. 

Eure "Geierschelle" vom Nieder-Olmer Klosterberg 
 

29. März 2021

Reben pflanzen Rebenleben neue Rebe

Schöne Grüße vom Klosterberg. Ja das ist doch mal ein richtiges Frühjahr mit Sonne, Regen und kühlen Temperaturen in der Nacht. Auch wenn von heute bis Mittwoch der Frühsommer kurz vorbeischaut, kann ich weiterhin entspannt bleiben, da der Boden noch recht kühl ist. Bis mich die warmen Frühjahrs-Sonnenstrahlen so richtig wachküssen, das dauert noch eine Weile. Noch immer ist kein sichtbares Leben in meinem Weinstock. Es wird auch noch etwas dauern, bis Ihr das erste, frische Grün an meinem knorrigen Rebengerüst seht. Gut Ding braucht eben Weile. 

So lange kann ich mich umschauen, was so links und rechts von meinem Weinberg so passiert, denn mein Winzer, der Max, ist natürlich immer aktiv. Derzeit pflanzt er einen neuen Weinberg. Den wird er mit Riesling-Reben bepflanzen. Dem "König der Reben", wie meine Reb-Kollegen -immer etwas arrogant- von sich behaupten. Ja, zugegeben, die machen ihren Job schon gut. Rund 23 % der deutschen Rebfläche sind Riesling-Weinberge. Mehr als jede Dritte Riesling-Rebe weltweit, wächst in Deutschland. Seit mehr als 600 Jahren ist die Pflanze kultiviert. Die fühlt sich eben richtig wohl bei uns. Leichte bis mittelschwere Böden und relativ kühles Klima mögen die Kollegen. Am Ende gibt das natürlich dann auch Top-Trauben.

Die Entscheidung für die Anlage des Weinbergs hat der Max übrigens schon vor rund eineinhalb Jahren getroffen, beziehungsweise treffen müssen. So lange braucht die "Rebschule", bis aus der Veredlung von "Edelreissern" und "Unterlage" eine eigenständige Pflanze geworden ist. 

Und jetzt, im Frühjahr, wenn wir "alten" Reben noch im Winterschlaf sind und dem Winzer keine Arbeit mehr machen, dann werden die neuen Weinberge angelegt. Los geht´s zunächst im Büro mit: in Deutschland natürlich mit einem Antrag! Von wegen drauflosbuddeln... 

Der Acker muss für die Reben vorbereitet werden. Dazu spatet der Winzer seine Parzelle mit einer Maschine tief um und lockert damit die Erde für uns Reben. Das ist toll, denn aufgrund der zunehmenden Trockenheit gehen wir mit unseren Wurzeln einige Meter unter die Erde bei der Suche nach Wasser und Mineralien. 

Dann kommt das "Auszeilen". Mein Winzer muss genau planen, wie viele Reihen er auf seine Parzelle bekommt und muss dabei die Vorschriften hinsichtlich des Abstandes zu Nachbarn und Feldwegen einhalten. Diese Daten werden in den PC der Pflanzmaschine eingegeben. Per GPS navigiert die Maschine über den Acker, zieht eine tiefe Furche und setzt im Abstand von ca. einem Meter jeweils eine junge Rebe in den Boden. Rund zweieinhalb Quadratmeter Platz hat dann eine Pflanze in ihrem ungefähr 25 Jahre dauernden "Rebenleben". 

Dann siehst Du erstmal nichts. Außer den Fahrspuren der Maschine. Denn der allergrößte Anteil der Rebe ist im Boden und mit bloßem Auge ist nur die Veredlungsstelle erkennbar. Jetzt hofft der Winzer auf die preiswerteste Lösung: auf einen schönen Regenguss. Wenn der nicht innerhalb weniger Wochen kommt, muss mit einem Wasserfass nachgeholfen werden. Jetzt kann die Rebe erstmal wachsen. Ein dünner Metallstab hilft dabei. Die wachsende Rebe ist recht filigran und wird immer wieder an den Stab angebunden, damit da nichts abbricht. 

Nun ist der Drahtrahmen an der Reihe. Die Stickel (Pfosten) können aus Holz oder aus Metall sein. Daran werden die Drähte befestigt und gespannt. Die jungen Triebe können dann später in den Drahtrahmen eingeheftet werden, damit sie bei Wind nicht abbrechen. 

Um die ganze Anlage im sprichwörtlichen Sinne abzurunden, zäunt der Winzer den neuen Weinberg ein. Für das Wild sind nämlich die frischen Austriebe der Rebe eine echte Delikatesse...

Manche Winzer nutzen auch "Getränkepackungen" und stülpen die über uns um uns vor Wildfraß zu schützen. Sieht natürlich nicht ganz so toll aus, wenn Tausende von bunten Getränkepackungen in der Natur angebracht sind und gerne vom Wind auch mal losgerissen werden. 

Mir, als Rebe, gefällt das gar nicht, weil ich bei starker Sonne darunter mächtig schwitze.... aber mich fragt ja keiner. 

So das war´s für heute, würde mich freuen, wenn wir uns mal sehen, oben am Klosterberg, vielleicht bei einem Spaziergang bei schönem Frühlingswetter und einem herrlichen Blick auf Nieder-Olm. 

Eure "Geierschelle" vom Nieder-Olmer Klosterberg 

15. März 2021

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Es hat ganz schön gepustet in den letzten Tagen hier oben bei uns auf dem Berg. Kühl war‘s und Regen gab es auch wieder mal. Ein Wetter ganz nach meinem Geschmack. Das zögert die Vegetation noch etwas hinaus. Leider hatte ich in den letzten beiden Wochen auch keine Besucher mehr im Weinberg. Die Winterarbeiten sind verrichtet und mein Winzer konzentrierte sich deshalb ganz auf die Abfüllung der Weine aus dem Vorjahr.

Letzte Woche war die Abfüllung meiner Arbeit des Jahres 2020 dran. Der Grauburgunder vom Klosterberg kam in die Flasche. Dazu kam ein "mobiler Lohnabfüller" in die Bischofsmühle. Sozusagen eine Weinkellerei auf Rädern. Vier Tage lang wurden die 2020er Weine auf Flaschen gezogen. Direkt vom Tank in die Flaschen. 

Vorher mussten natürlich auch alle "Trockenmaterialien" beschafft werden. Flaschen, Verschlüsse, Kartonagen und -ganz wichtig- die Etiketten. Hier muss alles ganz genau stimmen. Angaben wie Flascheninhalt, die Alkoholangabe, die Herkunft und die Qualitätsstufe müssen unbedingt aufs Etikett. 
 Für die Behörden ist übrigens das kleine Rückenetikett das "Hauptetikett" worauf alle -weingesetzlichen Vorgaben- aufgeführt werden müssen. 

Zwingend vorgeschrieben ist die "amtliche Prüfungsnummer", die jeder Qualitätswein tragen muss. Eine Expertenkommission bei der Landwirtschaftskammer prüft die Weinsensorik und vergibt -wenn der Wein die Kriterien erfüllt- diese Nummer. Für sogenannte "Landweine" gilt das nicht. Hier steht einzig der Winzer für die abgefüllte Qualität gerade. 

Der Hinweis "enthält Sulfite" (Schwefel) muss seit einigen Jahren auf allen Weinetiketten angeführt werden, damit Allergiker informiert sind. Dabei wird Schwefel zur Konservierung von Wein seit rund 5000 Jahren eingesetzt. Bei Angaben wie Jahrgang, Rebsorte oder die Geschmacksrichtung (trocken, halbtrocken oder lieblich) ist es dem Winzer überlassen, diese auf das Etikett zu drucken. 

Ganz wichtig für Euch Verbraucher ist die sogenannte "Abfüllerkennzeichnung". Hat der Winzer ausschließlich Trauben aus seinem eigenen Weinberg geerntet und ausgebaut, dann darf er die Bezeichnungen "Gutsabfüllung" oder "Erzeugerabfüllung" verwenden. 

Finden sich dagegen die Bezeichnungen "Abfüller", "abgefüllt für", "abgefüllt durch" auf dem Rückenetikett, dann ist das ein Hinweis darauf, dass der Wein von anderen Winzern oder einer Weinkellerei zugekauft wurde. Oft handelt es sich hier um Weine von großen Kellereien, die in den Supermärkten angeboten werden. Eine Rückverfolgung auf den Winzer, der den Wein erzeugt hat, ist da in der Regel nicht mehr möglich. 

So, das war´s für heute. Ich wünsche Euch viel Spaß beim Probieren des neuen Jahrgangs der Bischofsmühle.

Eure "Geierschelle" vom Nieder-Olmer Klosterberg

01. März 2021

Reben biegen Bischofsmühle

Heute ist meteorologischer Frühlingsanfang. Dabei empfand ich die vergangene Woche schon als kleinen Vor-Sommer. Zwanzig Grad im Februar, das haben wir hier oben am Klosterberg noch nicht erlebt. Ich gönne Euch Menschen dieses schöne Wetter, als Weinrebe macht mir das jedoch große Sorgen. Ich bin ja noch im Winterschlaf und möchte den auch noch ein paar Wochen genießen. Wenn das Frühjahr ins Land zieht, muss ich ausgeruht sein, denn dann stehen wieder stressige Monate an. Gerade jetzt sammle ich tief unten in der Ernte Kraft für die neue Saison. 

Deshalb hoffe ich, dass ich weiterhin Winterfeuchtigkeit abbekomme. Gerne auch Schnee. Denn unter einer Schneedecke bin ich etwas geschützt und vertrage auch strengen und späten Frost viel besser. Viel Regen hilft auch etwas gegen die Fortpflanzung der unzähligen Feldmäuse, die sich aufgrund der zurückliegenden, warmen Winter um mich herumtummeln und meine feinen Wurzeln anknabbern. Das ist nicht wirklich lustig für mich! Gerade über die feinen Wurzeln nehme ich Nährstoffe und Spurenelemente auf, die ich dringend zu meiner Versorgung brauche. So freue ich mich auch über die vielen Störche, Reiher und Bussarde, die sich in den letzten Jahren wieder in unserer Region angesiedelt haben und die Population der Nager auf natürlichem Weg in Schach halten. 

Maria war heute bei mir im T-Shirt! Und das im Februar! Sie hat meine Fruchtrebe, die seit dem Rebschnitt senkrecht in die Luft zeigte, horizontal an den Drahtrahmen gebogen und dort mit einem kleinen Draht befestigt. Puh, alles gut gegangen. Jetzt fühle ich mich deutlich besser. Habe doch immer etwas Angst, dass die Rute beim Biegen abbricht, das wäre eine Katastrophe für mich. Weil ich ja meine ganze Kraft und Feuchtigkeit in die Wurzeln zurückgezogen habe, ist meine Fruchtrebe nicht dehnbar, sondern starr und neigt beim Biegen zum Abbrechen. Schauriger Gedanke! 

Jetzt schmiegt sich die Rute im Flachbogen an den Draht. Mit einsetzender Vegetation entsteht ein Saftstau und wenn der Austrieb erfolgt, wachsen die neuen Triebe dann geordnet in den Drahtrahmen. Das stabilisiert die Rebe und schützt die Triebe bei Wind vor dem Abbrechen. Zudem sieht das noch super-ordentlich aus, was wiederum den Max sehr freut. Als Alternative dazu gibt es den Rundbogen, bei dem die Rebe eben nicht ganz so stark gebogen wird. Aber das ist eine "Glaubensfrage", die jeder Winzer für sich entscheidet. 

Wenn die Vegetation in einigen Wochen beginnt, merkt ihr Menschen das daran, dass meine Augen "bluten". Das heißt, meine Fruchtrebe wird wieder durchblutet. An den Augen drückt sich dann der ein oder andere Wassertropfen raus. Das ist der Startschuss für die Vegetationsperiode, bevor der eigentliche Austrieb beginnt. 

Eure "Geierschelle" vom Nieder-Olmer Klosterberg 
 
 
 

15. Februar 2021

Rebholz häckseln

Nicht mal seinen Winterschlaf kann man als Weinrebe heutzutage ungestört halten. Schon vor Sonnenaufgang habe ich Max mit seinem Traktor, gehört, als er am heutigen "Rosenmontag" den Klosterberg hochgerattert ist. Mit dem Anbauhäcksler hat er die Reben zerkleinert, die er vorletzte Woche abgeschnitten und zwischen die Rebzeilen gelegt hatte. Das macht er immer dann, wenn der Boden steinhart gefroren ist. Dann wird die Muttererde, in der ich meine Wurzeln habe, durch die breiten Traktorreifen nicht unnötig verdichtet. Künftige Niederschläge können dadurch besser in den Boden einsickern. 

Da kam schon etwas Wehmut auf, als die Reben kleingeschreddert wurden. Immerhin habe ich im letzten Sommer Unmengen von Wasser aus dem Boden geholt und in meine Rebenbügel geleitet. Damit habe ich Blätter und Trauben versorgt. Trotz der Hitze im Sommer hatte ich es bis weit in den Herbst hinein geschafft, mich fit und grün zu halten und meine Früchte zu ernähren. Mein Chef der Winzermeister war mächtig stolz auf mich. Das Ergebnis waren viele gesunde und süße Beeren. Das Produkt daraus, der "2020er Grauburgunder" lagert derzeit noch auf der Feinhefe in seinem Keller. Anfang März wird der Wein in Flaschen abgefüllt. 

Unsere Familie, die Grauburgunders, sind derzeit bei Euch Menschen ganz besonders beliebt. Man mag uns, weil die Weine aus unseren Trauben eine moderate Säure und feine Fruchtnoten mitbringen sowie vollmundig und harmonisch daherkommen. In Italien nennt man uns "Pinot Grigio" und in Süddeutschland sagt man "Ruländer" zu uns.   

Zugegeben: Wir sind schon etwas eitel. Unsere Trauben sind kleiner und unsere Produktionsmengen etwas geringer als beispielsweise bei den Müller-Thurgaus oder bei unseren roten Freunden, den Dornfelders. Dafür sind unsere Früchte auch etwas süßer und gehaltvoller sagt Max immer. Der kann mit seinem "Refraktometer" bei der Weinlese die "Öchlegrade" messen, die den Zuckerwert des Traubensaftes angeben. "Spätlese" oder "Auslese" murmelt mein Winzer dann immer zufrieden, wenn die Früchte besonders süss und gesund sind. Von den anderen Weissweinsorten unterscheidet uns übrigens auch die Farbe der Beeren, die nicht grünlich, sondern bräunlich gefärbt sind, so wie auch bei den Gewürztraminer´s. 

Wettermäßig war´s in dieser Woche bei uns recht winterlich. Nach dem vielen Regen in der letzten Woche, wurde es ganz schön frostig mit rund 10 C unter Null. Dazu liegt eine dünne Schneedecke und seit einigen Tagen scheint auch noch die Sonne. So lässt sich der Winter bei uns am Klosterberg gut aushalten. Was wäre das für Euch Menschen für ein herrliches Fastnachts-Wetter geworden, aber Ihr habt ja leider noch immer Probleme mit diesem Covid 19. Auch wir Reben haben Probleme mit Viren, aber davon ein andermal. 

Eure "Geierschelle" vom Nieder-Olmer Klosterberg 

01. Februar 2021

Rebschnitt

So, heute hat´s mich kalt erwischt. Max, der Winzermeister war hier. Mit seiner Elektro-Rebenschere hat er die meisten meiner Reben abgeschnitten.
 
Ich kam mir vor wie ein Schaf, dem man die Wolle abrasiert. Dabei hat der das ganz clever gemacht. Der hat sich die kräftigste Rebe rausgesucht, die im letzten Sommer gewachsen ist und die im Herbst Trauben getragen hat. Nur aus solchen Frucht-Trieben wachsen nämlich im Frühjahr wieder Triebe, an denen später dann wieder neue Fruchtansätze erscheinen. 
 
Diese einzige Rebe hat er soweit gekürzt, dass gerade mal so acht bis zehn Knospen, mein Winzer sagt "Augen" dazu,  verbleiben. Aus diesen Augen werden im Frühjahr die Fruchtruten austreiben, an dem dann die "Gescheine" -die Vorboten der Trauben-  wachsen werden. 
 
Alle anderen Reben hat der einfach abgeschnitten, aus dem Drahtrahmen entfernt und zwischen die Rebzeilen gelegt. Wenn der alle meine Nachbarn im Weinberg auch beschnitten hat, wird er mit seinem Traktor und einem Anbau-Häcksler das Holz zerkleinern. Würmern und sonstige Tierchen in der Erde sorgen dann dafür, dass daraus wertvoller Humus entsteht. Den liebe ich besonders, weil er mir die Kraft gibt, mich in der Vegetationszeit ausreichend zu ernähren. 
 
So stehe ich jetzt ziemlich nackt in meinem Weinberg. Man sieht nur meinen dicken Rebstock und die einzig verbliebene Rebe, auf die ich jetzt höllisch aufpassen muss. In der letzten Woche war´s nämlich recht windig. Wenn diese Rebe abbricht, dann war´s dass für mich mit der Traubenerzeugung für den Herbst 2021. Dann kann ich im Frühjahr zwar wieder jede Menge Reben und Blätter erzeugen, aber keine Früchte, weil die eben nur auf der Fruchtrebe des letzten Jahres wachsen. Und nur aus den Früchten kann mein Winzer ja seinen Wein keltern. 
 
Sobald es etwas milder wird bei uns am Klosterberg, wird wohl Max`s Mutter Maria mit "dem Biegen" beginnen und die Fruchtrebe an dem Drahtrahmen anbinden. Dann kann so schnell nichts mehr abbrechen. Bis bald. 
 
Eure "Geierschelle" vom Nieder-Olmer Klosterberg

18. Januar 2021

Frost Weinberg Winter

Hallo zusammen, ich hoffe Ihr seid gut in das neue Jahr gekommen? Mir geht es prima, wie Ihr auf dem Bild sehen könnt. Kälte und Wind haben meine Blätter im November letzten Jahres mitgenommen. Sah auch -ehrlich gesagt- nach der Weinlese nicht mehr ganz so gut aus. Viele Blätter waren abgeknickt und braun. So bleibt mir derzeit noch das ausgereifte, braune Holz, welches im Sommer letzten Jahres gewachsen ist. 


Während ihr Menschen den Dezember wegen der Regenfälle nicht so spannend fandet, war ich total begeistert: Endlich mal wieder etwas Feuchtigkeit an den Füssen. Immerhin reichen meine Wurzeln ja einige Meter ins Erdreich, zumindest da wo ich wachse am Nieder-Olmer Klosterberg, einem riesigen Kalksteinriff. Vor einigen Millionen Jahren war hier noch ein Ur-Meer, unzählige kleine Muscheln liegen hier noch überall rum. Zugegeben, augenblicklich brauche ich den Regen eigentlich nicht unbedingt. Ich habe ja mein Wachstum nach dem Herbst eingestellt und bin gerade im Winterschlaf. Erst im April kommt wieder so richtiges Leben in meine Leitungsbahnen. Aber der Boden auf dem ich wachse kann diese Feuchtigkeit super speichern und für mich bis ins Frühjahr aufheben. Der Klimawandel zeigt uns ja, dass die Niederschläge in unserem Rheinhessen immer weniger werden. So kann ich mich ganz gut einteilen und komme besser über die trockenen Monate. 


Anfang der Woche war`s übrigens ganz schön frisch. Sieben Grad unter dem Gefrierpunkt machen mir allerdings nichts aus. So bis -15 C habe ich im Winter gar keine Probleme. Nur vor den Mai-Frösten habe ich panische Angst. Da reichen auch schon mal 2 Grad unter Null und mein bis dahin sichtbares, frisches Grün wird zerstört. Und damit auch die Ernte des Jahres. 


Aber jetzt mache ich mir darüber noch keine Gedanken. Habe ja den ganzen Saft in meine Wurzeln gezogen und meine dürren Reben, denen geht es jetzt eh bald an den Kragen. 


Wenn ich mich so umschaue, beginnen die Winzer so langsam mit dem Rebschnitt. Vermutlich werde ich auch bald dran sein. Aber davon werde ich Euch dann so in zwei Wochen berichten. 


Eure "Geierschelle" vom Nieder-Olmer Klosterberg